Warten auf Couscous
Mehrmals hatten wir schon Couscous bei einem arabischen Metzger bestellt und waren jedes Mal begeistert, bis eines Tages, als wir unsere Nachbarn eingeladen hatten und die sonst immer grosszügige Portionen ausgerechnet an diesem Tag auf ein Minimum reduziert waren. Wir hatten nicht einmal ein ganzes Stück Fleisch pro Person. Zum Glück hatte ich es schon geahnt als ich die Kelle in die Schüssel tauchte und hatte für mich selbst kein Fleisch und für Helmut nur ein winziges Stück herausgefischt. So fiel es nicht zu sehr auf. Daraufhin machten wir uns auf die Suche nach einem anderen Couscous-Lieferanten und fanden ihn bald in der Nähe des Marktplatzes. Ein sehr freundlicher junger Tunesier, der das Gefühl vermittelte, alles möglich zu machen!... Wir bestellten also 3 Portionen Couscous für Donnerstagmittag, mit Lamm- Geflügel- und Rindfleisch, genannt: Königlich. Wir hatten unseren Freund Paul eingeladen.
Um 11,30 Uhr, wie verabredet, standen wir im Laden und erfuhren allerdings, dass die Couscousköchin nicht gekommen war. Für Samstagmittag versprach er uns den bestellten Couscous. Dann um sonst, wegen der Unannehmlichkeiten.
In unserer Not rannten wir zum Traiteur, kamen Punkt 12 Uhr zu Hause an. Paul wartete schon. Ich kochte Reis, und aus dem Couscous wurde Canard aux Cèpes. Es war auch gut.
Samstag Mittag, holten wir unseren Couscous - dachten wir.
Nachdem die Köchin den tunesischen jungen Metzger versetzt hatte, sollte seine Mutter den Couscous kochen. Sie verstand aber Samstag Nachmittag statt Samstag Mittag, der Couscous war also noch nicht gemacht aber am Abend, oder noch besser morgen Vormittag ( Sonntag geöffnet ab 8,30 Uhr ) sollten wir den Couscous abholen; und er gab uns noch ein Fladen-Brot - als Trost für die Unannehmlichkeiten - mit auf dem Weg. Samstag war es für uns kein Problem etwas anderes zu essen. Zum Glück hatten wir doch nicht, wie zuerst geplant, die Nachbarn eingeladen.
Sonntag um 11,30 Uhr standen wir in der Metzgerei. Der freundlicher junge Tunesier sah uns etwas ratlos an und sagte, er bräuchte noch circa 1 Stunde, um alles parat zu haben. Wir gingen also spazieren, ein Aperitif auf dem Marktplatz trinken, und um 12,30 Uhr, waren wir wieder da. „ Mein Freund holt es gerade, une minute“ sagte er. Um die Zeit zu überbrücken, erzählte er uns von seiner Kindheit. Er hatte auch, wie alle anderen seines Alters, den Auspuffrohr an seine Mobilette abgeschnitten, und die Nachbarschaft nachts um 2 Uhr aufgeschreckt.
Nach 20 Minuten schaute Helmut auf die Uhr. Der junge Mann wurde unruhig und sagte:...“ich verstehe nicht wo er bleibt, ich laufe selbst hin“ rannte los und ließ uns in seiner Metzgerei allein. Es verging weitere 10 Minuten bis der Freund mit dem Auto aus einer anderen Richtung kam. Er hatte eine Plastiktüte mit blauer Aufschrift die wir leider nicht lesen konnten.
Wir hatten weitere 10 Minuten auf unseren Metzger zu warten. Wir blieben lieber draußen in der Sonne, da es wärmer war als in der Metzgerei. Der Freund machte die Tüte auf und füllte hin und her in einer andere Tüte, ohne dass wir es genau beobachten konnten.
Als der junge Metzger dann endlich in Begleitung eines Landsmannes ankam und uns die Tüte überreichte, informierte er uns darüber, dass es kein Couscous sei, sondern Tagine. Auf unsere Frage nach der Zusammensetzung geriet er wieder ins Stottern.“...also es ist Fleisch, mit Pflaumen und Karotten, und es schmeckt sehr gut, Sie werden sehen...“
Wir durften nicht bezahlen, wegen der Unannehmlichkeiten, und da wir nun große Hunger hatten, liefen wir schnell nach Hause ohne gleich zu merken, dass die 3 Portionen auf 2 geschrumpft waren, und jetzt in einer neutrale weiße Tüte verpackt waren.
Wir waren sehr enttäuscht. Es gab 2 Stücke zähes Rindfleisch mit Trockenpflaumen und Karotten alles in purem Öl. Ich war froh noch ein Rest Reis vom Donnerstag dazu geben zu können, um das viele Fett besser zu verkraften. Am Nachmittag fühlten wir uns nicht besonders gut und ließen auch das Abendessen ausfallen.
Montagmittag waren wir unterwegs im Cèzetal und unterhielten uns darüber mit der Wirtin des Restaurant wo wir eingekehrt waren. Und so erfuhren wir, dass unser Couscous/Tagine bestimmt aus dem Kessel einer arabische Familie stammte, und möglicherweise schon seit ein paar Tagen zubereitet war. Das Fleisch hält sich im Öl über längere Zeit. Der Kessel steht nicht im Kühlschrank, wie man es sich vorstellen könnte, sondern unter dem Tisch.
Nach diesen Erkenntnissen, waren wir froh nicht kränker davon geworden zu sein.
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