First time
Man wird nie mehr sagen können, wer damit angefangen hat. Jedenfalls hatte die Idee mit dieser „je reviens-Schnupperei“ zu tun und auch mit Joe Cocker und country and western music und all den Schönen, die im Laufe eines Nachmittags bis in den Abend an den Tischen vorübergingen. Wohl auch, dass Samstag war, vormittags Markt und die Stimmung ein wenig herbstlich, vielleicht auch nostalgisch zu werden begann.
Klaus fing an, alte Melodien zu summen, „with a little help by my friends“ and „to all the girls I used to love“, als Günter scheinbar ganz nebenbei fragte, was hättet ihr denn gemacht, wenn einer an dem Abend den Duft einer großen Liebe an einer Frau wiedergefunden hätte, hm?
Die Freunde guckten irritiert, ein wenig ärgerlich zum Teil sogar, als Rainer bemerkte, dass auch hier nichts mehr wie früher sei. Man müsse ja heutzutage bereits mit Alpträumen rechnen, wenn man eine Frau nur mal nach der Uhrzeit fragt. Schließlich komme es nicht von ungefähr, dass so niederschmetternde Elaborate von Frauen für Frauen monatelang auf Bestsellerlisten stünden.
„Wieso eigentlich nur von Frauen?“, fragte Günter scheel, „wo bleiben denn die Männer?“ Das dann wohl war der Moment der Geburt des Gedankens, jeder aus dem Freundeskreis - aber auf keinen Fall mit den Freundinnen oder Ehefrauen! - solle sich die nächsten vier Wochen mal einige Stichworte aufschreiben, Erinnerungen, Rückblicke auf die außergewöhnlichsten Frauenbeziehungen, die fesselndsten und die verrücktesten Erlebnisse vom ersten Mal bis heute. Speziell die erste liebevolle, erotische, sexuelle Begegnung, das müßte doch spannend werden.
„Gute Idee, eine sehr gute Idee“, lächelte Rainer. „Und daraus machen wir einen Bestseller zur nächsten Buchmesse: >Unser schönes Männerleben<. Schließlich darf man und Frau schon gar nicht vergessen: Wir sind die erste Generation nach dem Krieg. Aufgewachsen mit ganz anderen Orientierungen, völlig anderen Frauenbildern als heutzutage. Was haben wir alle voneinander gelernt, was haben wir erlebt und wie haben wir uns entwickelt.“
„Um des Himmels willen!“, unterbrach Klaus, „bitte keine soziologischen Abhandlungen! Hier geht es um die real existierende Vitalität, um - guter Titel - unser Männerleben. Da fiele mir mancherlei zu ein.“
Es sind seit diesem Abend schon fast zwei Jahre vergangen.
Bisher gibt es einen alten Kalender mit fünf Seiten Notizen.
Aber die Idee weiterzumachen kommt manchmal ins Gespräch. Dann sagt Jürgen immer: „Ideen haben viele! Machen ist angesagt!“ Und alle anderen nicken Zustimmung.
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