Heimatland
Most peculiar führen sich bei Gott manche Briten im Süden auf.
Wir kennen Menschen, die es seit über zwanzig Jahren erfolgreich vermeiden, die französische Sprache zu erlernen. Wenn sie mal nicht umhin können, weil keiner englisch sprechen will oder kann, dann hört sich ihr franglais an wie eine Halskrankheit, oder, wie mein weiland Französischlehrer weniger sprachbegabten Mitschülern entgegenzuschleudern pflegte, als wenn eine Ziege, auf eine Blechtrommel kackt.
"Ein wunderbares Land, wonderful" hörte ich jemanden sagen, "but, what a pity, dass der Franzose sich weigert, englisch zu sprechen!"
Unschwer erkennt man den Briten an seiner Kleiderordnung. Harries Tweed, häufig karierte Schirmmütze, die Damen in harter Dauerwelle, vornehmlich leicht violett. Ihr Schlendern könnte man als "Windsorgang" bezeichnen: Leicht gebückt, Hände auf dem Rücken ineinandergelegt und ausdrücklich interessierter Blick, teilnahmsvoll beobachtend.
In der Fremde treffen sich die jeweiligen Landsleute, compatriots, gern traditionell zu festen Zeiten an den gleichen Orten.
Für die Briten, außerhalb ihrer meetings zu in den Landhäusern ist das in Uzès zweifellos samstagvormittags vor dem "temps perdu". Noblesse oblige, möchte man sagen. Es gibt dort die bequemsten Terrassenstühle und man serviert den besten café au lait und auch guten tea. Darüberhinaus begrüßt Madame ihre Gäste stets wie ganz liebe, enge Freunde, die sie jahrelang nicht gesehen hat.
Jeden Samstag.
Sowas schätzt in der Fremde nicht nur der Brite.
Die vielen, vielen Belgier in der Gegend freilich besuchen sich gegenseitig in ihren Gärten.
Auf die dumme Frage, wieso denn außerhalb der Ferien so unglaublich viele Belgier in der Gegend seien, antwortete Thierry trocken, makaber und politisch nicht korrekt, weil die hinreichend Leute zuhause haben, die sich um ihre Kinder kümmern. Naja.
Deutsche, nun, die treffen sich auch, wenn am Samstag oder am Mittwoch Markt ist in Uzès.
Für die meisten ist das "Bengali" das bistro der Wahl: sehen und gesehen werden, frühstücken und Unverbindlichkeiten austauschen, bemüht à la Francaise.
Der arriviertere Ferienhausresident hingegen residiert mit Gattin gern im "Nougatine", Terrasse ist zu vulgär, und nimmt huldvoll die honneurs entgegen. Kosmoplitisch und vital geht's beim "Suisse d'Alger" am place aux herbes zu, international mit anarchistischen Tendenzen. Weinhandlung, bistro, café: man findet sich dort.
Und dann und wann auch bekränztere Häupter, Schriftsteller, Maler ,Musiker und Künstler und solche die es werden wollen, flanieren beflissen unauffällig vorüber. Bei manchen Gelegenheiten muß ein leichtes Nicken des Kopfes genügen.
Gefeiert, gegessen, geraucht und auch gesoffen wird in internationaler Solidarität bei Freunden im Schatten von Olivenbäumen, bis dieser besternte Himmel des Südens meines Herzens sich über alle wölbt und die samtene Luft der Nacht beginnt verheißungsvoll zu duften.
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