Spurensuche
"Ich weiß gar nicht, was die Menschen auf dem Mond wollen.Ich hab schon Schwieigkeiten genug, mich in Manhattan zurechtzufinden", sagte der unverbesserliche Woody Allen, und in gewisser Weise ist diese Ansicht auch auf das Leben am Mediterranée übertragbar.
Seit Jahren will immer irgendjemand nach Marseille fahren, wenigstens Orange oder Aix en Provence, doch dann bleibt man wieder lieber in der Gegend , streift durch die Garrigue , geht zum Gardon hinunter oder - was von außergewöhnlich hohem Unterhaltungswert sein kann - man tingelt per Kraftfahrzeug ruhig und gelassen über die Dörfer durch die départements des Südens, steinerne und andere Zeugnisse von Geschichte, Kunst und Kultur aufsuchend.
Als eine Möglichkeit ist das Haus von Max Ernst in St. Martin de l'Ardèche und die zum Haus und den Bewohnern liebevoll vefaßten Erläuterungen im syndicat d'initiative dazu für den Kunstreisenden ebenso anregend und aufschlußreich, wie zu wissen, daß Max Ernst in Les Milles interniert war und auch dort hinzufahren. (Vgl.zu diesem Thema: Walter Aue: Die Augen sind unterwegs, Anabas, 2000).
Literarisch Feinfühlige dagegen werden eher zum lavendelüberwachsenen Grab von Albert Camus in Lourmarin finden, einen Olivenzweig dort niederlegen und sich dann im Hotel beim Friedhof ausgezeichnet bewirten lassen, um vielleicht anschließend mit der Reisbegleitung gemeinsam auf ein Lager zu sinken.
Unvergeßliche Erlebnisse allemal, an die man gern erinnert wird, besonders an einem Herbsttag am Wannsee.
Wir hatten einen langen Spaziergang gemacht und wollten langsam wieder auf die Havelchaussee zurück, zum Wagen, als uns zwei fast völlig entkräftete jungen Menschen inständig baten, sie doch bitte mit zurückzunehmen in die Stadt, sie hätten sich völlig verlaufen und verkalkuliert.
Der junge Mann studierte in Berlin, seine Begleiterin sprach einen französischen Akzent mit ausgezeichnetem Deutsch. Auf unsere interessierte Nachfrage berichtete sie bereitwillig, sie käme aus Lourmarin, wo ihre Eltern ein Hotel hätten.
Welches denn?
Das am Friedhof, wo - und diesmal alle gemeinsam - Albert Camus begraben ist, n'est-ce-pas.
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