Ferienhausvermietung
Ja, ja, noch einmal die Beamtenwitwe aus dem Schwarzwald, die nun ganz in der Nähe Häuschen und auch Appartements vermietet.
Sie hat einstweilen einen Aprikosenhain und weiteres mit Ruinen bestandenes Bauland zu ihrem Anwesen hinzu erworben, instand setzen und ausbauen lassen und das Ganze, mit dem Swimmingpool aus Liquiditätsgründen zur Hälfte an eine Freundin verkauft. Belastungen und Einnahmen werden in der Regel durch zwei geteilt, wie sich das gehört.
Mit so Ferienhausvermietungen in Südfrankreich aber ist das ein eigen Ding. Wenn das nicht über eine Agentur gemacht wird, die Vermieterei also nicht als kaufmännische Tätigkeit angemeldet wird, dann bewegt man sich schon in der grauen Zone der Halblegalität. Kosmopolitisch versierte Bürgermeister allerdings lehnen es rundweg ab, sich dem Papierkram wg. Steuern und Abgaben zu widmen. Es gibt welche, die sagen, der Aufwand lohne nicht, die paar Francs zu deklarieren.
Na ja, die paar Francs. Die landlady vermietet pro Woche nicht für französische Francs, sondern gegen DM 700, in der Hochsaison.
Ihre Klienten sind überwiegend Deutsche, sowas spricht sich rum, und manch einer sitzt ja gern beim Wein des abends in vertrauter Runde.
Nun, Madame hat auch einen Prospekt verfaßt und drucken lassen, aus dem so die Preise hervorgehen. Das Appartement mit zwei Schlafzimmern und der Wohnküche und dem Kamin für 700 DM, wenn zwei Personen darin wohnen, für 800 DM bei drei und mehr Personen die Woche.
Inklusivpreise, denkt der Feriengast, rechnet noch mal schnell und erschüttert die Summe in Franc um und unterschreibt doch.
Regine und Alfred waren aus Berlin angereist, hatten Freunde im Dorf besucht, Unterkunft und frohe Fest natürlich gratis, und sie fanden das alles so tolle, die Umgebung, das Wetter, den Wein und das Licht, dass sie verlängern wollten, zwei Wochen, aber denn nicht mehr den Freunden zur Last fallen, sondern sich bei Madame einmieten.
So ganz jugendlich sind die beiden nun auch nicht mehr, und dann und wann zieht Alfred es vor, doch lieber in einem Einzelbett zu ruhen, als ehemäßig, zumal er nach Reginas Auskunft aufs erbärmlichste schnarcht.
Das tat er dann auch, manch erquickende Nacht, aber dann passierten die ersten Ungereimtheiten: Ohne jeden Zweifel war der kleine Garten mit den weißen Freizeitmöbeln mitgemietet, ruhig aber sonnig, ein angenehmes Plätzchen, auch um die Freunde noch mal zu einem Gegenbesuch einzuladen. Regina hatte die schönsten Spezereien beim traiteur eingekauft, sie hatten mit den Leutchen im Dorf noch einen Aperitif genommen und waren dann in der Hoffnung auf einen angenehmen Abend Richtung Mietappartement aufgebrochen.
Heissa, war dort ein fröhlich Treiben zugange!
Madame hatte Freunde und in der Gegend bekannte Aquarellmaler eingeladen, und einige zwanzig Leutchen bevölkerten das Stückchen Grün um den Tisch im Freien vor dem Appartement.
Tja, Alfred, eher konfliktscheu, sagte, er wär schließlich in der Tanzstunde gewesen, murmelte etwas von Vertrag und Benimmregeln, wollte die Kühltasche mit den Spezereien wieder ins Auto tragen, als Jörg dazwischenfuhr. Er und die Lady steigerte sich in Gebrüll, niemand wollte sich vom terrain zurückziehen. Entgegen allgemeiner Sitte - als Deutscher im Ausland - zogen sich Regine, Alfred und ihre Freunde dann doch zurück und vertilgten indigniert Speisen und Getränke wieder mal auf Freundesterrasse.
Das Verhältnis zur Vermieterin war von diesem Tage an ein wenig getrübt.
Als der Tag der Abrechnung kam, erlebte Alfred seinen zweiten Schock. Madame präsentierte eine Rechnung über 800 DM pro Woche, er habe schließlich ein weiteres Bett benutzt (das Betttuch hatte sie gestellt, allerdings weder Kopfkissen- noch Bettbezug).
Und weil mancher Abend ein wenig kühl gewesen und man ja mit Kamin gemietet hatte, zu dessen Befeuerung Alfred gegen den Rat der Landlady weder Holz im Walde sammeln gegangen war, noch es von den Freunden im Dorf abgefordert, sondern es sich vom Vorrat der Vermieterin genommen hatte, berechnete Madame nochmals 10 DM pro Tag für Energiekosten, jawohl.
Regina hat der Dame den korrekten Preis überwiesen. 700 DM pro Woche, ohne zusätzliche Kosten für Energie.
Auf ihr Konto in Deutschland. Wohin sonst.
>> Gesamtübersicht